Der manuelle Auftrag viskoser Medien mit Pinsel, Spachtel oder ähnlichen Hilfsmitteln ist in vielen Produktionsumgebungen noch gängige Praxis. Für einfache Anwendungen, kleine Stückzahlen oder häufig wechselnde Einzelprozesse kann diese Vorgehensweise ausreichend sein. Sobald jedoch definierte Auftragsmengen, stabile Taktzeiten und dokumentierbare Qualität gefordert sind, stößt der manuelle Medienauftrag schnell an seine Grenzen.
Besonders bei Ölen, Fetten, Klebstoffen, Dichtstoffen, Trennmitteln oder Pasten hängt das Ergebnis stark von Erfahrung, Sorgfalt und Tagesform des Bedieners ab. Auftragsmenge, Verteilung, Schichtdicke und Position können von Bauteil zu Bauteil variieren. Die Folgen sind Nacharbeit, Ausschuss, erhöhter Materialverbrauch oder veränderte Funktionseigenschaften des Bauteils.
Industrielle Dosiersysteme führen das Medium über eine definierte Materialversorgung und geeignete Ventiltechnik kontrolliert zum Bauteil. Je nach Anwendung kann der Auftrag handgeführt, halbautomatisch oder vollautomatisiert erfolgen. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Medium, Auftragsmenge, Auftragsbild und Bauteilgeometrie.
Weniger Ausschuss durch kontrollierte Applikation: Eine zu geringe Medienmenge kann die Funktion des Bauteils beeinträchtigen. Eine zu hohe Menge führt häufig zu Verschmutzung, Nacharbeit oder unerwünschtem Medienaustritt. Durch abgestimmte Dosierparameter lassen sich solche Schwankungen verringern. Dosierzeit, Druck, Ventilstellung und Bewegungsablauf werden dabei an Medium, Bauteil und Taktanforderung angepasst. Bei komplexeren Bauteilgeometrien, höheren Stückzahlen oder automatisierten Fertigungsabläufen kann der Medienauftrag in eine individuell ausgelegte Lösung im Sondermaschinenbau integriert werden.
Effizienterer Medienverbrauch: Viele technische Medien sind kostenintensiv oder aufwendig zu verarbeiten, etwa Spezialfette, Klebstoffe, Dichtmassen oder funktionale Beschichtungsmedien. Durch definierte Austragsmengen wird nur so viel Medium aufgebracht, wie für Funktion, Benetzung oder Verbindung erforderlich ist. Das reduziert unnötigen Medienauftrag, Reinigungsaufwand und Materialkosten.
Reproduzierbares Auftragsbild: Beim manuellen Auftrag sind Gleichmäßigkeit, Position und Schichtdicke nur begrenzt wiederholbar. Dosiersysteme ermöglichen Punkt-, Linien-, Raupen-, Sprüh- oder Flächenaufträge mit einstellbarer Medienmenge und definierter Auftragsgeometrie. Dadurch lässt sich das Ergebnis besser an Dichtflächen, Schmierstellen, Klebeflächen oder schwer zugängliche Bauteilbereiche anpassen.
Stabilere Takt- und Prozesszeiten: Manuelle Applikationsschritte unterliegen natürlichen Schwankungen. Dosierte oder automatisierte Abläufe arbeiten mit festgelegten Prozessparametern und wiederholbaren Bewegungsabläufen. Das kann Zykluszeiten verkürzen, Taktzeiten stabilisieren und die Produktionskapazität erhöhen. Besonders bei Serienprozessen oder wiederkehrenden Montageaufgaben wirkt sich ein kontrollierter Medienauftrag direkt auf die Prozesssicherheit aus.
Prozessüberwachung und Dokumentation: Moderne Dosiersysteme lassen sich mit Sensorik, Steuerungstechnik und Prozessüberwachung kombinieren. Je nach Anwendung können Druck, Temperatur, Dosierzeit, Ventilzustand oder Materialfluss erfasst und ausgewertet werden. So lassen sich Abweichungen früher erkennen, qualitätsrelevante Prozessdaten dokumentieren und Wartungs- oder Optimierungspotenziale gezielter ableiten.
Wann lohnt sich der Umstieg?
Der Wechsel vom Pinselauftrag zur kontrollierten Applikation ist besonders sinnvoll, wenn wiederkehrende Auftragsprozesse, hohe Stückzahlen, kostenintensive Medien oder steigende Qualitätsanforderungen vorliegen. Auch bei schwer zugänglichen Bauteilgeometrien, hohem Nacharbeitsaufwand oder Anforderungen an Prozessüberwachung und Dokumentation kann eine kontrollierte Applikation deutliche Vorteile bieten.
Eine kontrollierte Applikation erfordert nicht zwangsläufig eine vollautomatisierte Anlage. Häufig reicht bereits der Wechsel vom Pinsel zu einem geeigneten Dosier- oder Applikationssystem, um Auftragsmenge, Verteilung und Wiederholgenauigkeit zu verbessern. Entscheidend ist, dass Materialversorgung, Austragsmenge und Auftragstechnik zum Medium und zur Bauteilgeometrie passen. Welche Faktoren bei der Automatisierung von Dosierprozessen entscheidend sind, erläutert der Beitrag Dosierprozesse automatisieren.
Medienauftrag gezielt optimieren: Ob Pinselauftrag, manuelle Applikation, halbautomatische Vorrichtung oder vollautomatisiertes Dosiersystem: Jeder Prozess sollte daran gemessen werden, wie sicher, wirtschaftlich und wiederholbar das gewünschte Auftragsergebnis erreicht wird.
WALTHER Systemtechnik unterstützt Sie dabei, bestehende Applikationsprozesse zu bewerten, Optimierungspotenziale zu identifizieren und passende Lösungen für das Fördern, Dosieren und Auftragen viskoser Medien auszulegen. Auf Wunsch prüfen wir Ihre Anwendung im Dosiertest mit Originalmedium und Originalbauteil, um das geeignete Dosierverfahren praxisnah abzusichern.