Dosierprozesse automatisieren: Von der Handarbeit zum stabilen Serienprozess

Manuell ausgeführte Dosier- und Applikationsprozesse sind sinnvoll, wenn Bauteile häufig wechseln, Stückzahlen überschaubar bleiben oder hohe Flexibilität bei variantenreichen Aufgaben erforderlich ist. Sie ermöglichen kurze Umrüstwege, direkte Bedienerkontrolle und eine schnelle Anpassung an wechselnde Prozessbedingungen.

Eine Automatisierung wird dann relevant, wenn Auftragsqualität, Taktzeit oder Prozesssicherheit nicht mehr zuverlässig über händische Führung, Erfahrung oder Bedienroutine abgesichert werden können. Das betrifft insbesondere Anwendungen mit engen Toleranzen, wiederkehrenden Bauteilgeometrien oder dokumentationspflichtigen Prozessparametern.

Beim Raupenauftrag etwa verändert eine schwankende Bewegung die Geometrie der Dicht- oder Klebstoffraupe. Bei Punktdosierungen muss das Volumen pro Schuss konstant bleiben. Bei Befettungen und Benetzungen sind Position, Auftragsmenge und Verteilung funktionsrelevant. Bei Vergussprozessen kommen Materialverhalten, Topfzeit und Entlüftung hinzu.

Je enger das zulässige Prozessfenster ist, desto weniger lässt sich der Prozess manuell absichern.

Automatisierung schafft den nötigen technischen Rahmen: Die relevanten Systemkomponenten werden so aufeinander abgestimmt, dass der Auftrag über definierte Parameter geführt wird. Der passende Automatisierungsgrad ergibt sich dabei aus den technischen Anforderungen und der wirtschaftlichen Vertretbarkeit. Wiederholgenauigkeit, Auftragsqualität, Prozessüberwachung oder fehlende manuelle Beherrschbarkeit bestimmen, ob automatisiert werden muss. Stückzahl, Integrationsaufwand und Variantenvielfalt entscheiden, welche Ausbaustufe sinnvoll ist.

Automatisierung führt dabei nicht zwangsläufig zu einer vollständig linienintegrierten Dosieranlage. Je nach Anwendung kann bereits eine geführte Applikationslösung, eine teilautomatisierte Dosierstation oder eine kompakte Dosierzelle ausreichen, um Dosiermenge, Auftragsposition und Prozessablauf reproduzierbar zu beherrschen.

Für die Auswahl des passenden Automatisierungsgrades sind vor allem folgende Fragen entscheidend:

  • Welches Medium wird verarbeitet?
  • Welche Anforderungen bestehen an Medienversorgung, Temperaturführung oder Materialaufbereitung?
  • Wie komplex sind Bauteilgeometrie und Zugänglichkeit?
  • Wie genau müssen Dosiermenge, Position und Auftragsbild eingehalten werden?
  • Welche Taktzeit ist für den Serienprozess erforderlich?
  • Wie häufig wechseln Bauteilvarianten oder Medien?
  • Müssen Prozessdaten überwacht oder dokumentiert werden?
  • Ist eine Funktionsprüfung oder Qualitätskontrolle in den Prozess zu integrieren?
  • Soll die Lösung als Einzelarbeitsplatz, Dosierstation, Dosierzelle oder Linienbestandteil arbeiten?
  • Welche Jahresstückzahl rechtfertigt den jeweiligen Automatisierungsaufwand?

Die Antworten auf diese Fragen bilden die Grundlage für eine technisch und wirtschaftlich passende Lösung. Sprechen Sie mit WALTHER Systemtechnik über Ihre Anwendung – wir unterstützen Sie bei der Prozessbewertung, Auslegung und Realisierung Ihrer individuellen Dosier- und Automatisierungslösung. Mehr dazu auf der Seite Sondermaschinen >>